Kevin J M Keane

Gedenktage: Sonettverweigerungen

2011

Gedenktage: Sonettverweigerungen stellt eine Reflexion über das Sonett dar.

 

Im Walde bei einem tiefen See

schlief eine Hexe in Gestalt einer Fee.

Als sie mich bemerkte, fragte sie leis,

was ich dort täte, was ich denn weiß.

Ich sagte ihr gleich, sie schien so perplex,

ich sei auf der Spur einer Brockenhex’.

Lichterloh sprang sie auf, lächelte bleich,

sei ich bei Sinnen, sei ich ganz reif.

Eine Hexe, sagte sie, sei zart wie Mohn,

verdiene daher weder Spott noch Hohn,

eine Hexe sei das, wonach der Mensch strebe,

eine Verquickung aus Himmel, Hölle und Seele.

Somit entfloh sie, ließ mich allein,

nie sah ich sie wieder, nie war sie mein.

 

Veröffentlicht: Sonett Nr. 9, Frankfurter Bibliothek. Jahrbuch für das neue Gedicht (2012.
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zum Zyklus als PDF: Gedenktage: Sonettverweigerungen